Brandwerker I Marken-Agentur, Innsbruck, Tirol

Warum sich Hotels klar positionieren sollten

Der Direktor des Kempinski Hotel St. Moritz, Herr Rupert Simoner, wurde im Rahmen einer Tourismusveranstaltung in Innsbruck interviewt und mahnte ein, dass sich Hotels im Alpenraum viel zu wenig von einander unterscheiden (Differenzierung) und sich zu verschwommen am Markt präsentieren (Positionierung). Viel zu selten beschäftigen sich HotelbetreiberInnen mit diesem Thema und vergeben die Chance, eine authentische Marke zu schaffen.

 

 Probe auf´s Exempel

Wir ließen uns von Tourismusverbänden 62 Prospekte von 4 und 5 Sterne Hotels zukommen. In dieser Kategorie gibt es alleine in Nord- und Südtirol über Tausendeinhundert solcher Betriebe. Wir wollten wissen, ob wir in den Druckwerken (trotz Internet immer noch ein wichtiges Kriterium für mögliche Gäste) eine Differenzierungs- und/oder Positionierungstrategie kommuniziert wird.

Nachdem wir 11 Prospekte auf Grund der Zugehörigkeit zu einer themenaffinen Vereinigung (wie z.B. Wanderhotels) aus der Wertung nahmen, da diese zumindest innerhalb ihrer Spezialisierung eine Differenzierung vorweisen, blieben drei (3!) Prospekte übrig, in denen wir klare Hinweise auf eine strategische Positionierung fanden. Das entspricht gerade mal 5,9 Prozent.

Dass davon nur ganz wenige optisch aus der Masse heraus stachen und der Rest als austauschbar bezeichnet werden kann, soll hier nicht unerwähnt bleiben. Der Gegencheck hinsichtlich Differenzierung und Positionierung auf den entsprechenden Webseiten der Hotels brachte wie erwartet keine Veränderung der Ergebnisse.

 

Mit einem Bauchladen stolpert man gerne

Haben Sie einmal versucht, mit einem richtigen Bauchladen durch die Gegend zu rennen? Nein? Sollten Sie aber! Danach haben Sie ein konkretes Bild, wie Sie sich mit so einem Ding verhalten. Je mehr draufgepackt wird, desto schwerer und unbeweglicher kann man sich bewegen. In der Praxis verhält es sich nicht viel anders. Warum nicht nur in der Hotelerie die Meinung herrscht, dass ein großes Angebot viele Kunden anspricht, ist schwer nachzuvollziehen. Aber wahrscheinlich ist die Angst, Gäste zu verlieren wenn man sein Angebot einschränkt, stärker als die Motivation neue Wege zu beschreiten und sich tatsächlich mit (s)einer Zielgruppe und deren Bedürfnissen intensiv zu beschäftigen. Wobei Angst noch nie ein guter Begleiter war.

 

Die Königsklassen: Differenzierung und Positionierung

Getreu dem Motto „Wer sich nicht positioniert verliert“ wird die Zukunft von vielen Unternehmen davon abhängen, ob sie es schaffen, Erster in den Köpfen der Konsumenten zu werden. Nur wer sich in Zukunft einer(!) Sache verschreibt, diese verinnerlicht und in allen Unternehmensbereichen lebt und klar kommuniziert, wird dem Preiskampf entgehen, mit dem undifferenzierte Betriebe zu kämpfen haben. Nur wer in der Lage ist, sein Unternehmen in eine starke Marke zu transformieren, wird gewinnen. An Aufmerksamkeit, an Kunden, an guten Partnern, an Ansehen und natürlich an finanzieller Sicherheit.

Wer weiterhin in der breiten Massen mit schwimmt, seinen Bauchladen mit Dingen vollstopft, die manche sogar billiger anbieten, wird verlieren.
An Aufmerksamkeit, an Kunden, an guten Partnern, an Ansehen und natürlich an finanzieller Sicherheit.

 

Klarer Focus auf eine Sache! 3 Beispiele gefällig?

1. Der Cyprianerhof in Tiers

Bereits Mitte der Neunziger Jahre entschied der Südtiroler Martin Damian, sich mit seinem Haus auf Wanderungen zu spezialisieren. Und das, obwohl wandern zu dieser Zeit nicht gerade im Trend lag. Er entschied sich für diese Positionierung und wurde dafür anfangs belächelt. Als er vor 8 Jahren das Schneeschuhwandern in sein Programm aufnahm, war er sozusagen Herr aller Jahreszeiten.

Die Winterpositionierung war für den Cyprianerhof deshalb so bedeutend, da es ja kein eigenes Skigebiet vor der Haustüre gibt. Da Skifahrer und Snowboarder heutzutage nicht mehr mit dem Bus zum nächsten Skigebiet gekarrt werden wollen, war sein Haus für diese Zielgruppe nicht sonderlich attraktiv. Dem hätte er nur mit Preisen entgegenwirken können, die wahrscheinlich kaum mehr Profit zugelassen hätten. In der Zwischenzeit ist aus dem Hotel und seinem Betreiber eine starke Marke geworden, die diesem Thema perfekt besetzt.

Klare Positionierung, klares Angebot, klare Sprache. Gratulation nach Tiers.

www.cyprianerhof.com

 

2. Chi-Q Ideenhotel

Der gebürtige Linzer Gerhard Fuchs wurde vom Werkszeugmacher zum gefeierten Produktdesigner. Er war Teil des Silhouette Designteams, arbeitete für Adidas, Swarovski und an Projekten mit Massimo Iosaghini und Matheo Thun und erhielt für seine Arbeit zahlreiche internationale Designpreise.

Etliche Jahre nach seinem Wohnortwechsel in das Tiroler Oberland schuf er das Ideenhotel im Kaunertal. Ein fast magischer Ort in dem die Architektur um den Kreativitätsfluss herum gebaut wurde. Von Kreativen und Designern (noch) als Geheimtipp gehandelt bietet Gerhard Fuchs zusammen mit Kooperationspartnern professionelle Ideenrunden für Unternehmen an.

Klare Differenzierung, klare Abgrenzung zu Seminarhotels, klare Linie. Gratulation nach Prutz.

www.chi-q.at

 

3. Restaurant Johannesstube im Hotel Engel

Wer den Mut hat, ein bereits mit Gault Millau Haube und Michelin Stern dekoriertes Top-Restaurant neu aufzusetzen, weil er der Vergleichbarkeit aus dem Weg gehen möchte, hat verstanden was es heißt Erster zu werden.

Johannes Kohler hat im elterlichen Hotel Engel im Eggental vor kurzem das Restaurant Johannesstube mit seinem neuen Küchenchef Theodor Falser komplett umgekrempelt. Mit ihrem Konzept „taste nature“ verfolgen die beiden Masterminds einen ganzheitlichen Ansatz, bei dem ihre Gäste die kulinarische Vielfalt der Dolomiten riechen, schmecken und (be-)greifen können. Weg von Foie gras und anderen verstaubten Klassikern der bereits in die Jahre gekommenen „Novelle Cuisine“.

Bei der Dichte an Mitbewerbern (23 Sterne und 112 Hauben auf 500.000 Einwohner in Südtirol) ist man Einer von Vielen. Wohlgemerkt auf einem hohen Niveau. Nichts desto trotz oder gerade deswegen haben die Zwei erkannt, dass sie neue Pfade beschreiten müssen, um sich aus der vergleichbaren Masse herauszunehmen.

Klare Differenzierung, klares Konzept, klare Worte*. Gratulation nach Welschnofen.

* Ich habe Johannes und Theodor kennen gelernt und bin als einer der Ersten in den Genuss ihres neuen Konzeptes gekommen.
Lesen Sie hier den Blogartikel, der sich diesem mutigen Konzept widmet.

www.hotel-engel.com

 

Kleines Ratespiel

Raten Sie mal, welche der nachfolgenden, klar positionieren Hotels es tatsächlich schon gibt.
Das Ergebnis finden Sie am Ende des Artikels.

1. Schlafgarantie-Hotel (wenn Sie nicht tief und fest schlafen erhalten Sie eine Nacht gratis)

2. Rap-Hotel (Nicht sprechen! Die Mitarbeiter kommunizieren per „Rhymes“ mit den Gästen)



3. Abhörsicheres Hotel (Hier haben die Wände dank moderner Abwehrtechnik keine Ohren)



4. Saatgut-Hotel (Hier säen die Gäste nach Wunsch und bekommen ihre Ernte nach Hause)



5. Schmerzfrei-Hotel (mit Präventions- und Vitalcoaches schmerzbefreit Urlaub machen)

6. Emissionsfreies Hotel (ausschließlich ökologische Energie lässt dieses Hotel grün strahlen)

 
 

Ende bedeutet Anfang

Verabschieden Sie sich von dem Glauben, dass das was im Moment noch einigermaßen funktioniert, die Zukunft sein kann. Treten Sie aus der Masse hervor und haben Sie den Mut neue Pfade zu beschreiten.

Schauen Sie sich ihr Hotel einmal aus der Sicht des Gastes an. Aber richtig! Buchen Sie sich ein Zimmer, reisen Sie an, checken Sie ein, bleiben Sie in ihrem eigenen Haus ein paar Nächte als Gast und legen Sie die Scheuklappen beiseite. Reisen Sie wieder ab und lassen Sie das Erlebte an einem anderen Ort auf sich wirken.

Setzen Sie alten Denkmustern ein Ende und stellen Sie sich vor, Sie stünden wieder ganz am Anfang ihres Unternehmerseins.

 

 

 

Auflösung des Ratespiels

 

  1. The Benjamin in New York
    Hier dreht sich (fast) alles um das Thema gut und richtig schlafen.
    Durchdachtes Konzept mit eigenem Schlaf-Consierge
    http://www.thebenjamin.com/Sleep.aspx
  2. The Yo!Landa in unseren Köpfen
    Das erste Rap-Hotel Europas ist ein Konzept von der Brandwerker-Crew.
    Wer sich dafür interessiert teilt seinen „Respect“ schickt uns einen kurzen „Rhyme“.
    Wir melden uns gerne.
  3. The Spyfree Lodge in unseren Köpfen
    Noch so eine „schräge“ Idee mit dem abhörsicheren Hotel. In Zeiten von
    NSA, Whistleblower & Co für hochrangige Geschäftsleute mit Sicherheit
    eine interessante Perspektive.
  4. Das Saat&Gut in unseren Köpfen
    Und nicht vorhanden die Dritte. Urlaub am Bauernhof ist die eine Sache.
    Warum die Idee eines Saatgut-Hotels in Zeiten von steigenden Lebensmittel-
    Skandalen nicht weiterverfolgen?
  5. The Pain Free System
    Ein neues Konzept mit erst zwei Mitgliedshotels. Die Vereinigung der Schmerz-
    freihotels setzt auf ein interessante Zielgruppe und bietet Hotels eine klare
    Positionierung in einem Wachstumsmarkt an.
    www.schmerzfreihotel.com
  6. Das Amedia in Hamburg
    Umweltbewußtes Übernachten. Dieses Hotel wird ausschließlich mit öko-
    logischen Energien (Photovoltaik, Geothermalwärme) betrieben, die
    keinerlei CO2-Emmisionen erzeugen.
    www.amediahotels.com
 
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